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GS: Imperialismus

Was ist Imperialismus

Definition

Imperialismus ist die Bezeichnung für die Bestrebungen einer politischen bzw. territorialen Macht, die Herrschaft oder zumindest Kontrolle über andere Länder oder Völker zu erhalten. Letzteres kann über politische, ökonomische oder kulturelle Einflussnahme geschehen. Geprägt wurde der Begriff im Zusammenhang mit der europäischen Expansionswelle nach 1870

Imperialistische Theorien & Rassismus

·         Eingeborene = schmutzig, minderwertig, primitiv, „Rohstoff“. Werden mittels Prügel  „zum Menschen erzogen“

·         Aber: Angst vor Machtverlust, Überlegenheit

·         Zwei verschiedene Rassenkategorien: Führerrassen und Folgerassen

·         Klare, biologisch definierte Ordnung/Hierarchie.

Motive und Formen

·         Motiv: machtpolitisch
Form: Prestigegewinn, streben nach Weltherrschaft
Beispiel: Dt. Reich ab 1880

·         Motiv: territorialpolitisch
Form: Sicherung des Einflusses
Beispiel: Kolonialisierung Afrikas & Chinas

·         Motiv: wirtschaftlich
Form: Sicherung des Handels (Rohstoff- und Absatzmarkt), Finanzkontrolle
Beispiel: GB in USA, Indien

·         Motiv: bevölkerungspolitisch
Form: Sicherung der Siedlungsräumen
Beispiel: Russland

·         Motiv: ideologisch
Form: Missionierung (Kultur, Religion); Rassismus
Beispiel: Frankreich (Assimilation)

Traditionelle Kolonialstaaten waren zumeist durch wirtschaftliche Ziele motiviert (=Merkantilismus), neue Kolonialstaaten hingegen hatten vor allem territoriale und machtpolitische Interessen.

Chauvinismus

In Europa herrschte chauvinistisches Denken vor. Alle glauben, sie seien „auserwählte Völker“.

·         GB: Von Gott aus recht auf Macht -> Föderalisation

·         FR: überlegene Rasse; Zivilisation; Ehrgeiz; Absatzmärkte -> Assimilation („so viele Frankreichs wie möglich“)

·         DE: Wirtschaftlich: Absatzmärkte, Rohstoffe; Machtpolitik

·         RU: Siedlungsraum; Imperialistische Expansionspolitik -> Integration

·         USA: verlangen „korrektes“ Verhalten; Menschenrechte; Friede, Stabilität; Ideologisch

Europäisches Bündnissystem Bismarck

Motivation, Ziele

Der Schutz bzw. die Verhinderung eines Racheangriffs auf das zentral gelegene Deutschland von mehreren Fronten, initialisiert durch Frankreich, Deutschlands Erzfeind (siehe Deutsch-Französischer Krieg; Emser Depesche). Frankreich sollte isoliert werden, also keine Bündnisse mit Russland oder andere an DE angrenzende Staaten haben. Der Zustand in Europa soll gesichert werden, ein Gleichgewicht der anderen Grossmächte ist erstrebenswert. Deutschland soll sich des Weiteren zwischen den anderen Grossmächten frei entscheiden können. Aufgrund einiger Spannungen zwischen den anderen Grossmächten ist eine Koalition gegen DE nicht möglich.

Generell ist DE auch interessiert, das europäische Misstrauen gegenüber ihnen abzubauen. Deshalb versuchte Bismarck verstärkt mit Diplomatie statt Krieg zu arbeiten.

Umsetzung

·         Dreikaiserbündnis: DE – OU – RU: bis 1887, nicht verlängert

·         Rückversicherungsvertrag DE – RU (Gegenseitige Neutralität im Kriegsfall): ab 1887

·         Dreibund: DE – OU – IT (Schutz vor Russland; Gegen FR): ab 1882

·         Mittelmeerabkommen: IT – GB: ab 1887

·         Orient-Dreibund: OU – IT – GB: ab 1887

Die Ausbeutung Chinas

Boxeraufstand

Der Boxeraufstand ist ein Aufstand von Faustkämpfer gegen die Industrialisierung durch Fremde und das Christentum. Die Boxer wurden vom kaiserlich anerkannten chinesischen Geheimbund Yi-He Quan unterstützt.

Hauptgründe für den Aufstand

·         Wirtschaftliche und politische Ausbeutung Chinas durch Japan und den Westen

·         Folgen aus der imperialistischen Politik: Ausbeutung Bodenschätze, Verlust eigener Baumwollmärkte, Bau von Telegraphenleitungen und der Eisenbahn [technische Zivilisation = böse; traditionelles China: technologiefeindlich]

·         Provokation durch christliche Missionare: Kirchenbau, eigene Rechsprechung [Christentum = unmenschlich da keine Ahnenkult; machtergreifend]

·         Allgemeine Naturkatastrophen und Hungersnöte: Deutung als Strafe

·         Schwäche der chinesischen Regierung [Ursache für Imperialismus: Korruption der chinesischen Beamten]

·         Militärische Niederlage gegen GB (Opiumkrieg)

·         Militärische Niederlage gegen Japan (Chin-Japan-Krieg)

·         Allgemeine Wirtschaftsdepression, Finanzkrise

Ablauf

·         Boxer erreichten Peking

·         Ausländische Mächte entsenden Hilfe

·         Kaiserin Cixi gibt der kaiserlichen Arme den Auftrag zur Rückschlagung der fremden Truppen

·         Ermordung von Klemens Freiherr von Kotteler durch die Boxer (-> Auslöser; Kommt DE gelegen, da Legitimierung zur Aktion)

·         Besetzung des Gesanntenviertels

·         Offizielle Kriegserklärung Chinas gegen Westmächte

·         Peking wird besetzt durch GB, FR, JP, RU, DE, OU, USA

·         Friedensvertrag 1901:

Folgen des Aufstandes bzw. des Friedensvertrages

·         Reparationszahlungen

·         Waffenimportverbot

·         Ausländische Truppen an strategisch wichtigen Punkten stationiert

·         freier Korridor Küste – Peking

·         Vertrauensverlust in Kaisertum, Reformschub -> Revolution

·         Sühneprinzen müssen zur Entschuldigung nach DE und JP

Amerikanische Politik in China

Amerika verfolgte eine Politik der „offenen Tür“:

·         Gleichberechtigung aller Kolonialmächte: Nebeneinander statt Gegeneinander

·         Zölle nur durch chinesische Regierung (eigener Schutz vor anderen)

·         Gleiche Transportkosten für alle