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Robert Schneider - Schlafes Bruder

Personen

Elias

Er ist ein Außenseiter und das nur auf Grund seiner gelben Augen und seiner frühen Pubertät. Er ist der größte Komponist aller Zeiten, da er die Menschen zutiefst berühren und verzaubern kann. Er verfügt über ein unfehlbar absolutes Gehör für alle Klänge, Geräusche und Töne seiner näheren Umgebung. Seine Musik ahmt das Geschehen der Natur nach und er findet auch Inspiration in der Liebe zu Elsbeth. Elias besitzt auch die Fähigkeit mit den Tieren zu reden.

Elsbeth

Ist Peters Bruder. Bewundert Elias göttliche Gaben zu musizieren. Elias “vorausbestimmte“ Liebe. Ihre Herzen schlagen im gleichen Rhythmus. Nimmt das gute im Mensch wahr. Gehorcht ihrem Bruder der für sie Lukas als Ehepartner aussucht. Löst mit dieser Heirat Elias Selbstmord aus.

Agathe (Elias Mutter)

Elias Mutter wird Seffin gerufen, meidet ihren eigenen Sohn und sperrt ihn weg. Kann Elias nicht akzeptieren will in sogar ertränken lassen. Verliert durch ihn ihr Lebensmut versucht ihn durch Kräuter zu heilen. Wünscht sich lieber ein mongoloides Kind, welches sie später auch bekommt. Ist auf Elias Orgelspiel stolz.

Seff (Elias Vater)

Schweigsam und verschlossen. Inniges Verhältnis zwischen Elias und ihm. Elias liebt den Geruch von Seffs Stallhut. Seffs Mord an Meistenteils verschlechtert ihr Verhältnis, welches bis zu Seffs Geständnis anhält. Löst zudem Seffs schlechtes Gewissen und Isolation auf. Hält zu Elias.

Peter

Peter ist Elias Cousin und ihre Väter sind Brüder und am stärksten verfeindet. Er ist ein Sadist, die schmerzen von gequälten Tieren bereiten ihm Freude. Hat homosexuelle Neigungen zu Elias. Ist die Kontrastfigur zu Elias und auch sein beständiger Freund. Eifersüchtig auf Elsbeth, weil ihr Elias Liebe gewiss ist. Bringt Elias und Elsbeth definitiv auseinander durch Arrangement zw. Lukas und Elsbeth. Nach der Unterstützung für Elias Selbstmord ändert er sein Leben, quält keine Tiere mehr und wird ein guter Mensch.

Inhalt

Der Autor gibt einen Ausblick auf die gesamte Geschichte und nimmt die Todesursache Elias’ vorweg. Das Leben des letzten Einwohners von Eschberg, Cosmas Alder, wird beschrieben. Es wird auch erwähnt, dass nur zwei Geschlechter Eschberg besiedeln, die Alder und die Lamparter. Elias wird geboren, findet im alter von fünf den Wassergeschliffenen Stein und macht dort eine Verwandlung mit. Er wird innerhalb kurzer Zeit erwachsen und seine Pupillen werden gelb. Er kann alle Geräusche des Universums vernehmen, unter anderem hört er den Herzschlag eines weiblichen Wesens und verliebt sich in sie, da ihr Herzschlag identisch mit dem seinen ist. Mit 10 Jahren bringt Elias sich das Orgelspiel bei und er revidiert die Orgel. Nach dem Feuer, welches Peter aus Rache an seinem Vater gelegt hat, rettet Elias Elsbeth aus den Flammen und verliebt sich in sie. Als Elsbeth Lukas heiratet, sucht Elias die Schuld bei Gott und er verflucht seine Gabe, daraufhin erscheint ihm ein nabelloses Baby, (Es wird vom Erzähler als Gott gedeutet) welches ihn von seinen gelben Augen und von der Liebe zu Elsbeth erlöst. Der Domorganist zu Feldberg erkennt Elias’ Talent und lädt ihn zu einem Orgelwettbewerb ein. Elias spielt das Lied « Kömm’ o Tod, du Schlafes Bruder » und erhält dafür eine Auszeichnung. Elias nimmt sich die Worte des Schaupredigers: « Wer schläft, der liebt nicht!» zu Herzen und beschließt daraufhin, nicht mehr zu schlafen. Er bittet Peter, ihn wach zuhalten und ihn ins Wasser zu tauchen, oder ihm Tollkirschen zu geben, falls er einschlafen sollte. Nach einiger Zeit stirbt Elias an Atemlähmung, hervorgerufen durch die Tollkirschen, welche ihm die Müdigkeit nehmen sollten. Elias war ein Musiktalent, welches durch den Neid und die Ignoranz der Dorfbewohner unentdeckt bleiben musste. Peter begräbt Elias heimlich und macht eine Verwandlung mit, er wandelt sich zum Guten. Als Elsbeth ihren Kindern einige Jahre später den Wassergeschliffenen Stein zeigen will, ist dieser verschwunden, er wurde fortgeschwemmt.

(Eine ausführlichere Zusammenfassung und andere gute Informationen sind auf http://www.djds.de/schlafes.htm zu finden)

Erzählhaltung

Robert Schneider erfindet einen auktorialen Erzähler, welcher im Stil des 19. Jh. erzählt: kommentierend, wertend, sich empörend.

Er gibt den Lesern schon in den ersten Kapiteln den Verlauf der Geschichte bekannt. In der weiteren Geschichte gibt es weiter Vorausdeutungen und Rückblendungen, welches typische Elemente für diese Erzählform sind. An einigen Textstellen will er am liebsten in das Geschehen eingreifen um die Liebe von Elias zu Elsbeth zu ermöglichen. Er empört sich an der Verschwiegenheit Elias, wenn es um die Liebe zu Elsbeth geht. ( S.136).

Der Erzähler macht deutlich wie die Figuren einzuordnen sind. Elias wird in dem Mass als guter Geist des Dorfes beschrieben, wie Peter als böser Geist. Er macht auch keinen Hehl aus den habgierigen Absichten der einen Hälfte der Dorfbewohner, als diese nach dem Feuer sich Massgeblich am Wiederaufbau der anderen beteiligen. Sie fordern jede Hilfeleistung wieder zurück.

Der Unterschied zwischen den auktorialen Erzählern des 19. Jh. und den postmodernen, auktorialen Erzählern ist unter anderem, dass die Allwissenheit des Erzählers in Frage gestellt wird und bröckelt (Erscheinung des nabellosen Babys). Typisch für eine postmoderne Erzählung ist:

  • Identifikation mit dem Helden muss nicht unbedingt sein, man bleibt auf Distanz
  • Unterhaltung als literarischen Wert
  • Spielen mit Genre (auktorialer Erzähler)
  • Handlung oft in vergangener Zeit und an entlegenem und exotischem Ort
  • Erzähler ist meist ironisch, distanziert, parodistisch und will dem Leser seine Weltanschauung nicht aufdrängen, nicht belehrend

Fazit

  • altertümliche Wendungen (während Festmesse fängt Dorf an zu brennen, Wendung von der Freude in die Katastrophe)
  • dialektal gefärbt
  • derb, grob, Umgangssprachlich
  • Namen: Neologismen (Neuprägungen); Gelbseich, Meistenteils usw.

Motive

Hellhörigkeit/Weltohr

  • Motivierung (Begründung) für sein Talent, die Hellhörigkeit ermöglicht ihm die Stimmenvariabilität und sein geniales Musikspiel
  • Unsichtbarkeit des Hören: Metapher für Nichterkennen seines Talents
  • Liebesgeschichte, hören von Elsbeths Herzschlag einseitig, unerkannt
  • Identifikationsmöglichkeit für den Leser?
    -> Das Unerkannte, des Unterdrückten
  • Fokussierung auf Hauptfigur
  • Vater-Sohn-Verhältnis wird erschwert, JEA hört seinen Vater beim Mord an Meistenteils als Drahtzieher
  • Ermöglicht Szene Weib im Mondschein
    -> Persönlichkeit von Elias schwach beeinflussbar

“Zwei Geschlechter“

Animosität (Feindschaften), Intrigen, “Krüppelhaftigkeit“, Isolation des Schauplatzes, geistige Dekadenz (Verfall), Nichterkennen des Genies
-> SELTSAM

“Orgelspiel“

Orgel öffentlich, Orgel vorhanden, wo es eine Kirche hat, Prozess vom Zuhörer zum Spieler kann episch (breit) gestaltet werden.

“Peter“

  • Sadist
  • Kontrastfigur UND Vertrauensfigur
  • Kap. Weib im Mondschein zeigt Charakterschwäche von Elias

Mord an Meistenteils: Motiv (S. 81f)

  • Ungläubiger, Spötter, Fauler, Besserwisser, Sonderling, TALENT (Sein ganzes Haus ist mit Schnitzereien überzogen und in Form eines Tabernakels)
  • Neid (auf sein Haus)
  • Bild des Irren als Vorwand, Sündenbock -> Entschuldigung der Täter

Bewohner

  • Aberglaube: Menschen in Eschberg sind via Drohungen, Angstmache manipulierbar (Feuerpredigten des Dorfpfarrers führt fast zu Mord an Seelenzilli
  • Feindbildmentalität: Seelenzilli, Meistenteils sind gesellschaftliche Aussenseiter und werden wie Elias wegen ihrer Andersartigkeit verstossen
  • Hinterlist: nach Mord an Meistenteils nehmen sie sein Besitz
  • Inzucht: Entspricht Klischee von Hinterwäldlern (Moutathal, Einsiedeln)
  • Naturheilkunde: Rettung von Elias gelben Augen durch das Auflegen grüner Pflanzen)

Thematik

Das unentdeckte Genie

Vor allem im dritten Kapitel „die Ungeborenen“ wird deutlich wie sehr der Erzähler es bedauert, dass so viele Menschen ihr Talent nicht entfalten können, weil Umwelt, die Bedingungen, unter denen sie leben, es nicht zulassen: „ Welche prachtvolle Menschen, Philosophen, Denker, dichter, Bildner und Musiker muss die Welt verloren haben, nur weil es ihnen nicht gegönnt war, ihr genuines Handwerk zu erlernen“ (S. 14)

Elias Genie kam nur wenigen Leuten zu guten und wird nicht zu Unrecht vom Erzähler als Verschwendung Gottes angesehen.

Liebe

Schon im frühsten Alter hört Elias den Herzschlag der ungeborenen Elsbeth. Seit dem ist für ihn klar, dass sie zusammen gehören und für einander bestimmt sind. Im Kapitel „Elsbeth und der Frühling“ findet eine Annäherung zwischen den beiden auf gemeinsamen Spaziergängen statt. Aber Elias bringt es nicht über die Lippen ihr zu sagen wie sehr er sie liebe. Es ist eine typische Elsberger Charaktereigenschaften nie direkt seine Liebe jemanden zu gestehen. Der Erzähler lässt den Leser aber immer im Klaren, dass aus dieser Liebe nichts wird und für Elias katastrophale Folgen hat. „Er musste sich in Elsbeth verlieben, denn Gott war noch nicht fertig mit ihm“ (S. 78). Beendet werden seine Hoffnungen Elsbeth zu heiraten in dem Peter, sein bester Freund, seine Schwester mit Lukas zusammenbringt und verheiratet, zu dem Zweck Elsbeth und Elias Annäherungen zu unterbinden und Elias Liebe auf sich zu lenken. Die Folge ist starker Liebeskummer von Elias, den er nur dadurch verliert, dass Gott ihn von seiner Liebe heilt (Kap. Gott fürchtet Elias). Als seine Liebe im Orgelfest wieder aufblüht beschliesst er sich durch Schlafentzug ums Leben zu bringen und so dem Moto des Schaupredigers „Wer schläft, liebt nicht“ zu folgen. Schlussendlich stirbt er nach acht durchwachten Tagen an Atemlähmung die durch eine Überdosis Tollkirschen herbeigeführt wird.

Biographie

  • 1961: in Bregenz geboren, wuchs in einem Bergdorf in den rheintalischen Alpen auf, wo er heute als freischaffender Schriftsteller lebt.
  • 1981-1986: Studium der Komposition, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in Wien
  • 1992 Erscheinung von „Schlafes Bruder im Reclam Verlag

Die Umgebung von Eschberg wurde den rheintalischen Alpen nachempfunden. Von dort kommen auch mehrere ungewohnte Ausdrücke im Buch. Seine starke Verbundenheit zur Musik ist ähnlich stark wie die von Elias. Er sagt einmal: „Ich habe gelitten darunter, in einem Haus aufgewachsen zu sein, in dem es wederr Bücher noch Musik gab. Die einzige Musik, die ich während meiner Kindheit hörte, war die des Dorfsorganist, sonntags in der Kirche, Und der hat ganz abscheulich gespielt.“

Von seiner Kindheit kommen sicher die Motive der Orgel, der Rückständigen Bergbewohnern und das verloren gehen von nicht geförderten Talente.

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